Jörg Weber: Geist-Christologie im Neuen Testament? Erwägungen zu einer exegetischen These über das Verhältnis von Jesus Christus und dem Heiligen Geist, Trier/Waldrach, 2000; zugl. Tübingen, Universität, Dissertation, 1999.
ISBN: 3-8311-0090-X
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Die Studie beschäftigt sich mit der Frage nach der neutestamentlichen Begründung einer Geist-Christologie. Unter dem Begriff Geist-Christologie wird eine christologische Konzeption verstanden, die den Menschen Jesus von Nazareth als den von alttestamentlich-frühjüdischen Traditionen her erwarteten, mit dem Geist Gottes gesalbten und zum Gottessohn adoptierten Messias begreift und sein Leben und Wirken in entscheidender Weise vom Geist Gottes geleitet und geprägt sieht. Neuere Entwürfe, die eine Geist-Christologie in diesem Sinne entwickeln und vor allem mit den neutestamentlichen Texten Mk 1,9-11, Lk 4,18f, Apg 10,38 , Joh 3,34b und Röm 1,3f begründen, werden einer kritischen exegetischen Nachprüfung unterzogen.
Short abstract in English
This study focuses on the question of a New Testament interpretation of a spirit christology. What does spirit christology mean? Spirit christology is a christological concept which interprets the man Jesus of Nazareth as the Messiah who was expected according to the Old Testament and early Jewish tradition, and who was anointed with God´s spirit and adopted as God´s son. This christological concept interprets Jesus´ life and deeds as guided and characterized by God in a decisive way. More recent outlines are subjected to a critical and exegetical examination: they develop a spirit christology in keeping with this understanding and which, above all, explain the New Testament texts Mk 1.9-11; Lk 4.18-19; Acts 10.38; Jn 3.34b; Rom 1.3-4.
Ergebnis:
1. Die These, daß es im Neuen Testament Zeugnisse einer Geist-Christologie gebe, lässt sich aufgrund einer kritischen exegetischen Untersuchung der dafür genannten Belegstellen nicht verifizieren. Weder die Endgestalt der neutestamentlichen Texte noch die ihnen zugrundeliegenden Traditionsschichten lassen auf die Existenz eines pneumatologisch begründeten Ansatzes der neutestamentlichen Christologie schließen. Es ist demzufolge unsachgemäß, in Jesus den zu erblicken, der in einem Akt göttlicher Erwählung bzw. Adoption in einzigartiger Weise mit dem Heiligen Geist begabt und zur Wahrnehmung seiner Sendung ausgezeichnet worden ist, und dementsprechend dem Heiligen Geist die entscheidende Rolle im Leben und Wirken Jesu zuzuschreiben.
2. Einheit und Vielfalt neutestamentlicher Christologie bezeugen übereinstimmend die Fundamentalerkenntnis, daß Jesus seinem Ursprung und Wesen nach auf die Seite Gottes gehört. Die von uns untersuchten Schriften lassen keine Adoptionsvorstellungen erkennen, wie sie für eine Geist-Christologie in dem hier abgewiesenen Sinn gerade charakteristisch und konstitutiv sind.
3. Jesus von Nazareth wird vom Neuen Testament nicht als ein in besonderer Weise mit dem Heiligen Geist begabter Mensch bezeugt, wie es die These einer Geist-Christologie voraussetzt. Er ist ganz im Gegenteil dazu der ausgezeichnete und einzigartige göttliche Träger und Spender des Heiligen Geistes. Eine neutestamentliche „Geist-Christologie“ ist demnach ein reines Konstrukt.